Seit heute Abend ist es klar. Joachim Gauck wird Bundespräsident.
Niemand will ihn aber alle wählen ihn. Das ist meine These.
Vor zwei Jahren war er der ideale Kandidat von SPD und Grünen. Mit ihm konnten sie alle anderen politischen Lager vor sich her treiben. Als an sich konsensfähiger Kandidat konnten Union und FDP nicht wirklich erklären, warum sie gegen ihn waren. So setzte sich Wulf als Merkels strategische Wahl nur mühevoll im dritten Wahlgang durch.
Hätte rot-grün eine Mehrheit in der Bundesversammlung gehabt, so wäre Gauck nie ins Gespräch gekommen. Das er nicht gewählt wurde konnten diese dann noch wunderbar der Linken und ihrer Verhaftung im Gestrigen anlasten.
Doch die Wahl von damals fällt ihnen heute auf die Füße. Die Grünen jedenfalls dürften wesentlich mehr Sympatie für Vorschläge wie Klaus Töpfer oder Petra Roth haben und Katrin Göring-Eckardt sowieso.
Doch wie die SPD konnten sie kaum einen Kandidaten ablehnen, welchen sie vor zwei Jahren noch offiziell ins Amt heben wollten. Der Kanzlerin ging es genauso nur anders herum. Sie soll nun für jemanden sein, den sie vor zwei Jahren verhindert hat.
Doch es scheint ihr keine Wahl zu bleiben. Die FDP hat wohl aus Angst vor den schwarz-grünen Vorboten, die Flucht nach vorne angetreten. Sie haben sich im Alleingang zu Gauck bekannt.
FDP mit dem Mut der Verzweifelung! CDU/CSU und die Grünen haben rund 12 Stimmen Mehrheit in der Bundesversammlung. Hätte die Kanzlerin Petra Roth vorgeschlagen, die Grünen hätten dem wohl kaum widerstehen können. Vermutlich wäre die Koalition zerbrochen und die FDP wäre bei den anstehenden Neuwahlen aus dem Bundestag geflogen.
Schade sie hatte nicht den Mut oder die Kraft. Sie hat sich für die Vergangenheit entschieden statt Wege in die Zukunft zu bauen.
Joachim Gauck ist keine schlechte Wahl. Aber er scheint mir der Präsident zu sein, den niemand will und alle wählen.
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