Diesmal eine Nummer größer. Ein Wettbewerblicher Dialog soll die Entwicklung der Hanauer Innenstadt endlich voran bringen. Diskutiert und geplant wird in Hanau seit Jahrzehnten. Einen Wettbewerb zur Neugestaltung des Freiheitsplatzes sahen wir bereits vor Jahren. Nur an der Umsetzung hapert es in Hanau gewaltig.
Der nun in Gang gebrachte wettbewerbliche Dialog befasst sich mit der Innenstadt als ganzes. Das Interesse von potentiellen Investoren ist groß, hoffentlich auch größer, als die Fördergelder für den Dialog selbst. Doch die Innenstadt als ganzes zu sehen, welche nur in einem Gesamtkonzept zu entwickeln ist, ist völlig richtig. Somit ist dieser Dialog wichtig und stellt eine Chance für Hanau dar.
Ganzheitlich entwickeln kann man die Hanauer Innenstadt jedoch nur, wenn nicht zuvor gegenläufige Fakten geschaffen werden. Diesbezüglich sind die Projekte Postcarré und Kinzigbogen genauer zu betrachten. Von der Stadt in Auftrag gegebene Gutachten hatten zum Ergebnis, was an sich schon der klare Menschenverstand sagt. Die Stadt muss vom Kern nach außen hin entwickelt werden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass der Kern verödet und niemand mehr bereit sein wird, in die Wiederbelebung zu investieren.
Das Schlachthofgelände welches zum Postcarré entwickelt werden soll, hat einen Sonderstatus. Es grenzt direkt an die Innenstadt und das dort etwas passieren muss, ist auf den ersten Blick ersichtlich. Der Gleisbauhof hingegen ist ein typisches ‘Grüne Wiese Projekt’, wie es in moderner Stadtplanung nichts zu suchen hat. Daher ist dieses Projekt kontraproduktiv zum Wettbewerblichen Dialog. Einen Artikel dazu hatte ich hier vor einiger Zeit gepostet.
Die CDU steht dem Projekt kritisch gegenüber. Am kommenden Montag steht in der Stadtverordnetenversammlung die Entscheidung über den Bebauungsplan an. Anlass für den Vorsitzenden der Hanauer SPD Uwe Niemeyer, die CDU in die Zange zu nehmen. Er lässt sich natürlich nicht entgehen, den Finger in die CDU Wunde der inhaltlichen Zerstrittenheit zu legen. Doch die CDU sollte hier selbstbewusster auftreten. Die Stadtentwicklungspolitik des Kleeblattbündnisses sollte sie, wegen ihrer Beliebigkeit und mangelnder politischen Führung angreifen. Wo was entwickelt wird bestimmt sich in Hanau nicht nach einem politischen Willen. Dort wo zuerst ein Investor auf der Matte steht, wird zuerst gebaut.
Gewiss bin ich kein Anhänger der CDU. In Bezug auf die OB Wahl sagt Uwe Niemeyer: „gut für die Stadt, wenn eine echte Chance für eine demokratische Entscheidung <besteht>“. Recht hat er damit. Und so kann keiner demokratischen Partei daran gelegen sein, wenn sich die CDU weiter selbst schädigt. Offene Diskussionen tuen den Parteien letztlich gut, doch wenn die Auseinandersetzungen persönlich gegen Personen gehen, gewinnen sie für die Partei suizidalen Charakter. Wir haben gesehen, wie sich die Hanauer Grünen im Streit um eine halbe Stabsstelle selbst zerlegt haben. Wenn nach dem Rücktritt vom CDU Vorsitzenden Ludger Wösthoff, nun Fraktionsvorsitzender Franz Ott gegangen wird, gibt die CDU ein katastrophales öffentliches Bild ab. Franz Ott steht für eine Stadtentwicklung, die politisch gestaltet und nicht getrieben wird. Die CDU tut gut daran, wenn sie seinem Kurs insbesondere auch in Punkto Kinzigbogen folgt.
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